Liegeradfahren
Es scheint sich nur schwer durchzusetzen, das Liegeradfahren. Und keiner weiß so genau, warum. Es ist zwar vergleichsweise teurer als "normales" Radfahren, aber es ist außerordentlich faszinierend und schonend. Die am Liegerad montierten Komponenten sind heute weitgehend ausgereift und werden aus dem Standard-Sortiment moderner Räder entnommen.
Was nun sind die Vorzüge dieser Art des Radfahrens?
- Man liegt, und das ist nun mal bequem. Es schmerzen weder Handgelenke, Hintern noch Kreuz. Wenn es die Beine hergeben, kann man sehr weit und vor allem sehr lange fahren.
- Insbesondere die Street Mashine ist sehr packfreundlich. Nebst eines Gepäckträger, der alle üblichen Anhängetaschen tragen kann, läßt sich ein Lowrider anbringen. Das Rad selbst ist sehr stabil und auch bei schwerem Gepäck und mit Hänger leicht zu fahren.
- Neuere Liegeräder sind voll gefedert. Damit ist das Problem des Bordstein-Überfahrens erledigt. Die Vollfederung bedeutet außerordentlichen Fahrkomfort.
- Die Kette verschleißt weniger, da sie länger ist.
- Man verträgt sich wunderbar mit Fußgängern ... Hinzu kommt, daß man als Liegeradfahrer eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich zieht, eben weil es echt "geil" ist.
Und was ist das weniger Schöne?
- Treten muß man trotzdem! Wer vom Rennrad kommt, sollte sich damit abfinden, daß er nicht rasen muß; zügig fahren kann man trotzdem. Das Liegerad ist ein komfortables Reiserad und wiegt ca. 20 kg. Da geht es am Berg nicht so schnell. Wenn die Beine ermatten, kann man sich nicht mit dem Körpergewicht behelfen: Man liegt wie ein fauer Sack und kann sich bestenfalls mit dem Gegendruck des Liegesattels den Berg hochquälen. Dafür wird man mit den Abfahrten belohnt, denn ein Liegerad rollt prächtig!
- Da man liegt, kann man nicht ohne weiteres nach hinten schauen. Man braucht dringend einen guten Spiegel. Insbesondere im Stadtverkehr und / oder bei spitzwinkligen Einmündungen von hinten ist ggf. ein Stehenbleiben und Aufrichten notwendig. Das Fahren im fließenden und hektischen Verkehr ist durchaus gewöhnungsbedürftig, und das Anfahren am Berg sollte gut beherrscht werden. Umfallen im Kreuzungsbereich ist gefährlich.
- Wegen der Liegehaltung und der kleinen Felgendurchmesser läßt sich die Balance nur bis hinunter zu ca. 5 km/h halten. Wird es noch langsamer, muß man unmittelbar anhalten und die Beine runternehmen.
Die Street Mashine
Ich fahre eine Streetmashine "Grand Tourismo" der Fa. HP Velotechnik in Kriftel. Das ist ein ausgereiftes und hochwertiges, vollgefedertes Gefährt. Die GT zeichnet sich aus durch stabiles, schlingerfreies Fahren, und das schnelle Nehmen von Kurven ist ein wahrer Genuß. Für das mit Optionen ausgestattet Rad muß man 2001 etwas über 5.000,- DM hinlegen. Ich habe es "Moosmutzel" getauft, benannt nach einem Waldgeist von Reinhard Lakomys "Traumzauberbaum", und erweitert um
- Farbgebung "moosgrün"
- Hydraulikbremsen
- Nabendynamo (!)
- Shimano Deore XT-Schaltwerk
Insbesondere der Nabendynamo ist eine Sache vom feinsten: Im Leerlauf belastet er den Fahren mit weit unter 0,2 W, was man keinesfalls spürt. Selbst bei Zuschaltung der Beleuchtung ist der Dynamo bei einer Lichtleistung von ca. 4 W nicht zu spüren. Das Rücklicht basiert auf LED, und die Anlage hat eine Standlichtfunktion auf Goldcap-Kondensator-Prinzip. Im Zusammenhang mit einem LED-Scheinwerfer der Fa. Lumotec lumotec iq fly n plus, die freifach heller ist als eine klassische Halogenlampe, hat man beste Sicht im Dunkeln.
Einen sinnvollen Panoramaspiegel kann man sich bei der Fa. Herbert Richter GmbH & Co., PF 1713, 75117 Pforzheim (Cockpit Styling), bestellen bzw. über den Versandhandel WALZ, 88336 Bad Waldsee.