Ein Traum: Gleitschirmfliegen

Lilienthal

Dies dürfte die wohl preiswerteste und vielleicht sogar sicherste Methode sein, den für uns erdengebundene Menschen nicht ohne weiteres zugänglichen Luftraum zu erobern. Immerhin, rein physikalisch fliegt man mit dem Gleitschirm beinahe "richtig", d. h. unter Ausnutzung der Auftriebsformel. Wenn Lilienthal vor über 100 Jahren auf die Idee gekommen wäre, ein Stück Stoff aufzublasen, um so einen Flügel zu erhalten, in den Wind zu stellen und abzuheben,...

Trotz der Faszination, sich vom Boden lösen zu können ohne Lärm und Dreck und dort oben nahezu frei manövrierbar und - in gewissen Grenzen - frei zu sein, bleibt ein nicht unerheblicher Respekt vor dem Medium "luftige Höhe", für die der Mensch einfach nicht gebaut ist. Und das ist gut so. Hier sollte niemand Faxen machen. Ohne solide Ausbildung wird's ruppig. Die Techniken und das Material sind heute ausgefeilt und zuverlässig. Der heikelste Punkt aber ist das Wetter. Das Fliegen mit dem kaum mehr als 5 kg wiegenden Stoff-Flügelchen ist enorm windempfindlich, und wer ins Lee abgetrieben wird und dort Turbulenzen vorfindet, riskiert seine Gesundheit.

Sinus

Ich habe die Flugschule Michael Wagner besucht (heute sky team), die ich an dieser Stelle heiß empfehlen darf. Ich entdeckte dieses Hobby im Sommer 1996 und hatte ansich nur vor, einmal im Leben vom Boden abzuheben. Ein Kindheitstraum. Als ich dann während einer Grundübung plötzlich und eher aus Versehen vom Boden abhob, schrie ich - entgegen der Angaben in den Werbeprospekten - laut "Scheiße!". Der Schnupperkurs dauert praktisch bis heute an, auch wenn ich seit dem 18. April 1998 den so langersehnten A-Schein besitze. Aber zur Perfektion braucht's durchaus einiges mehr an Zeit und Geld. Inzwischen stehen ca. 250 Höhenflüge zu Buche, davon auch einige an der Winde. Im Schulbetrieb wird in Baiersbronn und Besenfeld geflogen. Die Höhenflüge bis 1000 m werden in Brixen absolviert.

Ich fliege einen herrlichen blau-weißen Swing Sinus M. Der Schirm ist mit DHV 1-2 eingestuft und erfüllt in den Kategorien Start und Landung sogar die Bedingungen für die Klasse 1. Der Schirm läßt sich auffallend leicht starten und verzeiht dabei viele Fehler. Naja, Gleitschirmfliegen ist durchaus eine Konkurrenz zum Klettern, meiner Liebingssportart, nur macht's faul und träge. Am anstrengendsten sind immer noch die ersten Grundlagen am Übungshang, den man bis zu 10 mal am Tag immer wieder hochlaufen muß. Später gibt's dann Lifte und Autos ...

Weltrekord

Aber es ist eben so ein herrlicher Sport, und man muß keine große sportliche Leuchte sein, um Freude daran zu haben. Ganz im Gegenteil: Man kann sogar einen Weltrekord fliegen! So geschehen am 15. August 1998, als ich mit weiteren 262 Piloten gleichzeitig am Himmel schwebte. Dieses Spektakel organisierte in beeindruckender Weise die Flugschule Emmetten (damals Tanner) am Vierwaldstätter See. Das Foto zeigt den Landeplatz, rechts unten ich. Rechts oben sieht man den Startplatz, den Bauen. Bei Westlage ist das eines der schönsten Fluggebiete der Schweiz.

Ein weiteres wunderschönes Fluggebiet bietet der malerische schweizerische Ort Kandersteg. Im Sommer fliegt man von der Allmenalp und im Winter von der Seilbahnstation am Öschinensee. Herrlich!

Windsack

Und zum Schluß noch eine irgendwo aufgeschnappte Weisheit für alle A-Schein-Prüfungskandidaten:

"Schaut man dem Windsack ins Maul,
ist beim Landen irgendwas faul."


Tandem Thermik